Emely legt Eier

Unsere Schildkrötendame Emely, ihres Zeichens Testudo hermanni boettgeri aus Griechenland, legt jedes Jahr zwischen Anfang Mai und Ende Juni drei Eiergelege und vergräbt diese an einer warmen Stelle. Da das hiesige Klima zu kühl für griechische Verhältnisse ist, gräbt Emely bevorzugt ein Loch im warmen Frühbeet. Sie ist ziemlich schlau und weiß, dass ihre Kinder sich nur bei 28°C bis 34°C entwickeln und etwas feuchte Erde brauchen.

Emely gräbt ein Loch im Topf im beheizten Frühbeet

Die Geburtsvorbereitungen ziehen sich über mehrere Tage. Ich merke meistens rechtzeitig, dass wieder ein Gelege ansteht. Emely macht einen gequälten Eindruck und frisst nur noch Sepiaschale, die als Kalkquelle für die Ausbildung der Eierschalen benötigt wird. Sie steht senkrecht an der Gehegeumrandung, damit sich die Eier senken. Damit ihre Schildkrötenfreundinnen und ich sie in Ruhe lassen, beißt sie uns in die Füße und macht erst mal viele Probegrabungen. Man kann die Eier meist auch schon in ihren Flanken fühlen.

Wenn der eigentliche Legevorgang beginnt, dauert es mehrere Stunden und Emely möchte hierbei absolute Ruhe haben. Deshalb legt sie meist spät am Abend wenn alle anderen schlafen, oder sie bekommt tagsüber Hilfe von mir: die anderen Kröten werden kurzerhand aus dem Frühbeet ausgesperrt. Erst buddelt Emely stundenlang ein tiefes Loch, bis ihr Hinterkörper ganz versinkt. Dann legt sie ein Ei nach dem andern und zirkelt es mit den Hinterfüßen in die richtige Position. Am Ende gräbt sie das Loch wieder zu, tarnt es gut und tut so als ob nichts wäre.

Wenn Emely Eier im Frühbeet legt, müssen alle anderen draußen bleiben. Sie stehen neugierig vor dem versperrten Eingang und warten auf den Nachwuchs.

Nach vollbrachter Eiablage ist Emely immer fix und fertig und zittert. Deshalb bekommt sie erst einmal ein warmes Entspannungsbad im Waschbecken. Anschließend wird sie mit ihrem Lieblingsessen verwöhnt – einem abgekochten Maiskolben mit vielen Kohlenhydraten zur Stärkung.

Während Emely sich stärkt, werden die Eier von mir versorgt. Sie werden vorsichtig ausgegraben, mit einem Pinsel sauber gemacht und mit Bleistift beschriftet. Ein Kreuz markiert die Oberseite – während des Brutvorgangs dürfen die Eier nämlich nicht mehr gedreht werden, weil sonst die Embryonen vom Dottersack erdrückt werden. Die kleine Schildkröte sitzt auf dem riesigen Dottersack, der sie die nächsten 2 Monate ernährt.

Zu guter Letzt werden die Eier im „Repty Breader“ also einem Brutapparat für Schildkröteneier, verfrachtet. Dort bleiben sie die nächsten 52 – 60 Tage, bedeckt vom Brutsubstrat Vermiculite, bei ca. 80% Luftfeuchte und einer Temperatur von 32°C. Die Luftfeuchte ist notwendig, damit die Eier nicht austrocknen und bei 32°C entwickeln sich überwiegend weibliche Schildkröten. Die Scheiteltemperatur liegt bei 31,5°C: hier entstehen je zur Hälfte weibliche und männliche Schildkröten. Man kann bis 34°C gehen, aber nach meiner Erfahrung sterben dabei zu viele Embryonen ab oder es entstehen Entwicklungsanomalien wie doppelte Panzerschilder. Zur Kontrolle von Temperatur und Luftfeuchtigkeit befinden sich Wasserschalen, ein Hygrometer und Temperaturfühler im Brutkasten.

Jetzt heißt es geduldig abwarten und immer gut die Luftfeuchte und Temperatur kontrollieren. Ich bin schon sehr gespannt auf den Schlupf und werde berichten.

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